Lila Krawatte – kein bisschen unmännlich
Wenn man bis vor noch gar nicht allzu langer Zeit danach fragte,was für Farben für eine Krawatte geeignet wären, so hätte man zumeist immer wieder die selben Antworten erhalten: Bordeauxrot, Silbergrau und immer wieder Blau. In den letzten Jahren hat allerdings die Bedeutung von Farben zugenommen, die früher als feminin galten. Der Mann von heute ist selbstsicher genug, Farbe zu bekennen – und sei es nur mit einer Krawatte lila.
Lediglich unter Klerikern waren lila Krawatten von Zeit zu Zeit anzutreffen. Immerhin hat die katholische Kirche nicht nur bei liturgischer Kleidung Farbhierarchien aufgestellt, und wer im Berufsleben in Purpurgewändern aufläuft, wird auch im Zivil oft genug zu den gleichen Farben greifen. Wenn Sie das nicht glauben, tragen Sie mal einen schwarzen Anzug mit purpurnen Manschettenknöpfen im Vatikan – und wundern sich, weshalb Sie immer wieder mit Monsignore angesprochen werden.
Violett ist in liturgischer Hinsicht auch eine Trauer- und Bußfarbe. Das überrascht ein wenig, denn lila Krawatten können ausgesprochen lebensfroh wirken. Es könnte aber mit dazu beigetragen haben, dass zu Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur in Konzentrationslagern jene, die aus Glaubensgründen Widerstand leisteten, mit einem lila Dreieck am Ärmel gekennzeichnet wurden.
Voller Würde und Selbstvertrauen wirkt die violette Krawatte. Die Palette der möglichen Farbtöne reicht dabei von blassem Flieder bis hin zu tiefem Purpur. Bis vor ein paar Jahren hätten Sie sich damit als Mystiker geoutet. Violett strahlt Würde aus, aber auch einen gewissen spirituellen Touch. Für einen Investmentbanker wäre das vermutlich zu unseriös. Sind sie aber als Kreativer tätig, unterstreicht die Krawatte lila nur ihren Drang zu unkonventionellen Denkweisen.
Die modische Entwicklung hat diese Bedeutungen allerdings immer stärker zurücktreten lassen. Und so können Sie getrost auch eine lila Krawatte zum fliederfarbenen Hemd tragen, ohne dass dies irgendwie merkwürdig wirken würde. Ganz im Gegenteil: es zeigt, dass Sie bereit sind, Stil auch mal ein wenig über die Konvention zu stellen.