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Plastik statt Pappe: Der EU-Führerschein

Konkret wurde das Thema EU-Führerschein eigentlich erst 1991, als der EU-Ministerrat die Zweite Richtlinie über den Führerschein verabschiedete. Sie sollte den europäischen Bürgern zur unbefristeten Anerkennung ihrer Fahrerlaubnis innerhalb Europas verhelfen. Es musste eine Vereinheitlichung her: Mindestanforderungen an die Fahrprüfungen der einzelnen Staaten, ein neues Punktesystem für Verkehrssünder, außerdem sollte das Scheckkartenformat den "Lappen" ablösen, und Fahrzeuge wurden europaweit in die Klassen A bis E eingeteilt. Die Bundesrepublik Deutschland hat diese Richtlinien mithilfe des Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und anderer Gesetze sowie der Fahrerlaubnis-Verordnung umgesetzt. Beides trat am 1. Januar 1999 in Kraft. Diejenigen Deutschen, die nach diesem Datum den Führerschein gemacht haben, bekamen also nur noch Plastik statt Pappe.
Im März 2006 schließlich beschlossen die EU-Verkehrsminister in Brüssel weitere konkrete Schritte. Im wesentlichen sind das:
Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen bis 2012 den neuen EU-Führerschein inklusive sämtlicher Neuerungen eingeführt haben. Für früher ausgestellte Führerscheine wird es eine Übergangsfrist geben; ab 2032 müssen dann alle EU-Bürger das neue "Kärtchen" in der Tasche haben.
Führerscheine gelten nicht mehr lebenslang, sondern ihre Gültigkeit wird auf 10 bis 15 Jahre beschränkt. Deutschland hat sich für 10 Jahre entschieden. Diese Befristung ist übrigens auch der Grund, warum die Bundesrepublik sich jahrelang gegen den EU-Führerschein gewehrt hatte. Man kann seine Fahrerlaubnis aber recht unbürokratisch verlängern: ein aktuelles Foto genügt. Eine Ausnahme bilden neue Lkw- und Bus-Führerscheine: Sie werden in allen EU-Ländern auf fünf Jahre befristet. Berufskraftfahrer müssen sich dann zur Verlängerung einer Gesundheitsuntersuchung unterziehen.
Des weiteren werden wir bis 2012 ein europäisches Verkehrszentralregister haben, und es wird europaweit einheitliche Vorschriften für Fahrlehrer geben, wie es viele Verbände zugunsten einer höheren Verkehrssicherheit gefordert hatten.

Noch ein Tipp zum Schluß, für alle die es interessiert: Aufgrund der neuen Regelungen ist es auch mögliche einen Führerschein ohne MPU im Ausland zu machen.