Partnersuche zwischen Natürlichkeit und Narzissmus
War noch bis ins 19. Jahrhunderte die Eheschließung meist ökonomisch motiviert, ist die heutige Partnersuche einerseits freier und romantischer geworden, andererseits auch viel komplizierter. Alter, Stand, Verdienst, Nationalität – all das spielt heute bei der Partnerwahl nicht mehr die Hauptrolle. Man trägt heute vor allem nur noch sich selbst zu Markte: Bildung, Habitus und vor allem das Aussehen sind heute wichtiger denn je. Doch gerade die Bedeutung des Aussehens wird überschätzt, wie die ElitePartner.de-Single-Studie zeigt.
Dauert das Singleleben zu lange, besteht die Gefahr eines Hangs zur Egozentrik. Je stärker der Single sozial eingebunden ist (Freundeskreis, Sportvereine, gesellschaftliches Engagement), desto weniger besteht die Neigung zum Solipsismus.
Langjährige Singles neigen dazu, die äußerlichen Faktoren bei ihrer Wirkung auf andere stark zu überschätzen. Natürlich spielt die Attraktivität beim Kennenlernen eine große Rolle, doch ist Attraktivität nicht mit "klassischer" Schönheit gleichzusetzen. Gepflegtheit, Sympathie und Charisma sind wichtiger als eine schöne Nase oder das überstrapazierte "90–60–90". So lavieren Singles bei der Partnersuche zwischen zwei vermeintlich gegensätzlichen Erfordernissen: Auf der einen Seite wollen sie möglichst natürlich erscheinen, auf der anderen Seite möchten sie sich von ihrer allerbesten Seite präsentieren.
Bei Menschen, die besonders lange als Single gelebt haben, besteht sogar die Gefahr eines mehr oder minder stark ausgeprägten Narzissmus, wie ihn Sigmund Freud in seiner "Traumdeutung" (1900) beschreibt. In der griechischen Mythologie ist Narziss ein wunderschöner und vielfach begehrter Jüngling, der sich in sein eigenes im Wasser gespiegelten Abbild verliebt. Bei dem Versuch, sich mit seinem Spiegelbild zu vereinigen, und ertrinkt er. Im Gegensatz zum primären, kindlichen Narzissmus sieht Freud im sekundären Narzissmus eine Gefahr, denn hier wird die sexuelle Energie nach enttäuschter Liebe oder Selbstwertkränkungen von äußeren Objekten wieder abgezogen und regressiv auf sich selbst bezogen.
Eine moderne, professionelle Partnervermittlung kann derartigen Auswüchsen bei der Partnersuche vorbeugen, indem sie Singles zusammenführt, die wirklich zueinander passen. Natürlich muss man sich auch hier um sein Erscheinungsbild kümmern, doch letztlich gilt die Lehre aus Andersens Märchen von "Des Kaisers neuen Kleidern" (1837). Lassen Sie sich also den Spaß beim Flirten nicht nehmen, indem sie an sich selbst zu hohe Anforderungen stellen.
